Harriet Groß: Schnitte in Räumen

Die Cut Outs von Harriet Groß, aus Papier oder Metallfolie geschnitten, sind konzentrierte Arbeiten, deren Inhalte um die Bedingungen menschlicher Wahrnehmung und Kommunikation kreisen. Die Künstlerin verwendet eine signifikante Bildsprache: Überwachungskameras und Ferngläser visualisieren diese Themenkomplexe ebenso wie das Datenkabel-Wurzelwerk unter urbanen Architekturen oder Stühle und Sofas, auf denen man sich niederlässt, um zu kommunizieren.

Schrägperspektiven und klare Kompositionen, die linearen Formen, bis hin zu strengen Rasterungen den Vorzug geben, werden mit feinteiligen und sehr detailliert ausgearbeiteten Bildelementen kombiniert. Eine der häufig wiederkehrenden Grundformen ist ein gewölbtes Oval, das auf das Gesichtsfeld des Menschen Bezug nimmt, also die „Form“, durch die wir unsere Umgebung sehen. Diese Form verortet Harriet Groß in weite, an der Wand verspannte Schnurzeichnungen von fiktiven Räumen. Durch diese Ideen- und Erinnerungsräume wandert der Betrachter und trifft auf Schablonen, die den aus eigener Erfahrung geprägten Blick weiten können. Es ist ein Wandern an der Schwelle, dem Moment des Übergangs, des Dazwischen, in dem sich erst Bedeutung konstituiert, den die Künstlerin auszutarieren versucht.

Der filigranen Formensprache und fragilen Materialstruktur der Cut Outs steht ihr prägnanter Kontrast zum hellen Untergrund entgegen. Die Arbeiten werden häufig mit einem leichtem Abstand zur Wand gezeigt; ihre Rückseiten sind teilweise mit einer fluoreszierenden Farbe bearbeitet und werfen dadurch einen leuchtenden Schatten, der den Objekten etwas Malerisches und Schwebendes verleiht. In neueren Arbeiten greifen Glasobjekte den Gedanken der Schwelle zwischen zwei Zuständen auf; sie werden häufig mit Zeichnungen und Scherenschnitten zu komplexen Rauminstallationen erweitert.

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